0

05 Bruno Fioretti Marquez

2semesters 150entradas 150posts 2semestres

.

Kindergarten . Lugano

Bruno Fioretti Marquez . Kindergarten . Lugano  (1)

Bruno Fioretti Marquez . photos © Alessandra Chemollo

Der Kindergarten liegt im Quartier Cassarate einer Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts, die sich über die vergangenen Jahrzehnte konsolidiert hat. Die vorherrschende Typologie stellt der Geschosswohnungsbau mit 3 bis 8 Geschossen und meist kommerzieller Nutzung im Erdgeschoss dar. Manche Baukörper stehen in der Straßenflucht, andere zurückversetzt, um einem Vorgarten Platz zu schaffen.
_

Ausgangslage
Dadurch formen die Häuser eine Morphologie, die zwischen der kompakten Stadt des
Jahrhunderts und der modernen Utopie von im Grünen stehenden Solitären laviert. Der Raum zwischen den Gebäuden und der Straße gerät dadurch oft zu einem Ort ohne besondere Qualität. Eine präzise Definition und Artikulation der Außenräume war daher maßgebendes Ziel für die Qualität der zukünftigen Intervention.

Außenanlagen
Der Neubau wurde so gesetzt, dass die städtebaulichen Qualitäten des Quartiers verstärkt werden. Zusammen mit den be- stehenden Gebäuden der Schulanlage entstand so eine schachbrettartige Struktur, in welcher die Turnhalle, der neue Kinder- garten und die Primarschule – durch eine neue offene Pausenhalle ergänzt – die “schwarzen Felder“ darstellen. Die “weißen Felder“ hingegen werden durch die drei offenen Räume gebildet: den eingezäunten Sportplatz, die Spielfläche vor dem Kindergarten und den Hauptplatz vor der Primarschule, welcher der Schule ebenfalls als Eingang dient. Fußgängerwege ver- binden diese Räume untereinander und sorgen für eine öffentliche Durchlässigkeit des Campus. Jeder Außenbereich zeichnet sich durch einen anderen Grad an Zugänglichkeit bzw. Privatheit aus und erhält seine spezifische Identität durch leichte Hö- henunterschiede, differenzierte Materialisierung, Bepflanzung und Außenmöblierung, die den jeweiligen Perimeter abstecken. Eine Asphaltfläche bildet den Grund, der sich über den gesamten Außenbereich ausdehnt. Darin ausgenommen liegen Felder mit spezifischen Bodenbelägen, welche die Außenbereiche von einander unterscheiden.
Die Außenräume sind nicht exklusiv für schulische Nutzungen vorgesehen sondern dürfen während deren Schließzeiten von den Anwohnern genutzt werden, wobei der Hauptplatz der Schule einen Begegnungsort für das ganze Quartier darstellt. In- nerhalb des Kindergartens befinden sich kleine Höfe, die mit Bäumen versehen sind und vornehmlich von den jeweiligen Grup- peneinheiten genutzt werden. Die dort angeordneten Pflanzentröge bieten den Kindern Platz zum Experimentieren. Entlang des Perimeters der Schulanlage sind weitere Bäume vorgesehen, welche die bestehende Vegetation verstärken. Sie tragen zur räumlichen Definition der Wege bei, die das Quartier mit dem Fluss Cassarate verbinden und aus dem Geviert der Schulanlage eine grüne Insel innerhalb des Quartiers machen.

Der Kindergarten
Der Kindergarten ist als eingeschossiges Gebäude konzipiert, das wie eine kleine Stadt funktioniert, innerhalb derer jede Un- terrichtseinheit ein Haus repräsentiert. Jeder Unterrichtseinheit ist ein kleiner Garten mit einem Obstbau einer anderen Sorte zugeordnet. 56 Module – 35 volle, 13 leere, 8 gedeckte – sind wie übergroße Bauklötze miteinander kombiniert und bilden zusammen die Grundstruktur des Kindergartens. Die Wiederholung eines Moduls in Form eines unregelmäßigen Rechtecks gestaltet die Konstruktion rational und erlaubt gleichzeitig eine Sequenz abwechslungsreicher Raumsituationen. Jede Unter- richtseinheit besteht aus 5 Modulen: 1 Modul Garderobe, 1 Modul Sanitärräume, 1 Modul Speisesaal und 2 Module für den Raum der ruhigen Tätigkeiten. 2 Module für die Bewegungsräume werden jeweils von zwei Unterrichtseinheiten geteilt. Die Module haben präzise funktionale Bezüge zueinander, sind jedoch in jeder Unterrichtseinheit anders gruppiert. Die Spannung zwischen der geometrischen Irregularität der Module und seiner repetitiven Wiederholung verleiht dem Gebäude zusammen mit der bewegten Kontur des Daches einen plastisch starken Ausdruck und eine einprägsame Identität.
Die Innenräume fließen vom einen Modul zum andern ineinander über und ermöglichen eine große Nutzungsflexibilität. Der zentrale, gedeckte Außenraum bildet die zentrale Erschließungsachse. Im Winter kann er mittels verglasten Schließelementen geschlossen und als Spielraum, Festsaal, Ausstellungen oder kleine Märkte genutzt werden. Im Sommer wandelt er sich zu ei- ner Pergola und dient als gedeckter Spielplatz. Die Variation der Gebäudehöhe markiert den Eingangsbereich des Kindergar- tens und erlaubt es, die Administrationsräume in einem Obergeschoss unterzubringen und dadurch die Komposition innerhalb des modularen Systems aufzulockern. Das Gebäude ist im Minergie P Standard geplant. Die Holzkonstruktion ist auf einem Betonsockel positioniert und beinhaltet alle Technikräume des Hauses. Gleichzeitig dient der massive Sockel dem Gebäude als thermische Masse und verbindet sich somit perfekt mit der Hochleistungshülle des Holzbaus.

Konstruktion – das dreidimensionale Modul
Ein unregelmäßiger Quader aus vorfabrizierten Massivholzelementen erstellt, bildet das Modul des neuen Kindergartens. Die Elemente die das Modul komponieren wurden präzise im Werk gefräst und auf der Baustelle passgenau zusammengesetzt. Die Vorfabrizierung ermöglichte eine Ausführung in zwei Bauphasen unter laufendem Kindergartenbetrieb. Der Einsatz von Holz erlaubt das Material der Tragstruktur mit demjenigen der Inneneinrichtung zu verbinden. Die Wände bestehen aus einer oberen- und unteren Brettschichtholzplatte aus Fichtenholz. Die vertikal ausgerichtete untere Platte wird über eine Aus- gleichsschwelle auf den Streifenfundamenten positioniert und mit diesen punktuell mittels Winkeln und Ankerstangen verbun- den. Die auf der Außenseite der Wandelemente aufgesetzten und in der Dämmebene liegenden I-Träger dienen der zusätzli- chen Stabilisierung des Gelenkes beim horizontalen Plattenstoß auf der Höhe des Fenstersturzes. Durch Unterbrechungen und Richtungswechsel der unteren Wandscheibe werden Durchgänge, Fenster und Türen in das Konzept der Module integriert und dienen der Verschnittoptimierung des eingesetzten Holzwerkstoffes. Der Plattenstoß der beiden Wandteile läuft wie ein Horizont durch das gesamte Haus und ist über eine Schattenfuge innen wie außen ablesbar. Die hinterlüftete Außenwand ist mit einer Verschalung aus thermomodifiziertem Pappelholz verkleidet. Das Dach wurde mittels Sparrenpfetten aus Brett- schichtholz mit Querschnitten von 60/400 mm und variierenden Achsmaßen von 45 bis 75 cm erstellt. Die auf den Sparren aufgebrachte Dreischichtplatte lässt das Dach wie eine steife Platte agieren, wodurch es die horizontalen Kräfte mühelos auf- zunehmen vermag. Die als Warmdach ausgeführte Dachlandschaft ist mit einem Rost aus thermomodifizierter Esche bekleidet und verbindet sich somit mit der Fassade des Hauses.
_

Kindergarten Cassarate
Bauherr
Città di Lugano
Dicastero Edilizia Pubblica e Genio Civile
Nutzer
Città di Lugano
Planung
Bruno Fioretti Marquez Architekten
Leitung
Piero Bruno
Projektleitung
Inken Blum
Regina Maria Münstermann
Fabian Wichers
Mitarbeiter
Sidney Bollag
Vito Priolo
Bauleitung
Rolando Spadea
Außenraumplanung
Capatti Staubach
Tragwerksplanung
Zanini & Borlini SA
Bauphysik
physARCH Sagl
Technik HLS
Comunità di lavoro, A. Reichlin
M.Gavazzini
Elektrotechnik
C&C Electric SA
Bauzeit
2010-2014

Leave a Reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>